My descent
Die dunkle Versuchung
Die Geschichte „My descent - die dunkle Versuchung“ von Alina Neagu hat am EIS Schreibwettbewerb 2025 zu den Themen Dark Romance und Romantasy teilgenommen. Wir freuen uns darauf, die Geschichte endlich mit der Community teilen zu können!
Kapitel 1
Bevor ich durch den schweren Samtvorhang hindurchtrete, nehme ich einen rauchigen Zedernholzduft wahr. Das ist mein Zielort. Die Geräuschkulisse lässt keine Zweifel zu. Tiefes Keuchen. Lustvolles Stöhnen. Körper, die aufeinandertreffen und sich deutlich von dem Beat der Musikboxen abheben. Obwohl meine Beine zittrig sind, versuche ich selbstbewusst zu wirken. Ich straffe meine Schultern und gehe hinein.
Das Licht ist auf ein Minimum heruntergedimmt, woran ich mich erst gewöhnen muss. Ich blinzele und traue meinen Augen kaum: Auf der offenen Fläche rekeln sich nackte Körper umeinander. Verschlingen sich gegenseitig, während sie an der Wand lehnen oder auf den latexüberzogenen Polstern, die glänzend im Licht schimmern, liegen. Ein Spiel aus Kälte und Hitze. Gespielt von Männern und Frauen. Miteinander. Untereinander. Sobald mehrere Augenpaare einladend auf mir ruhen, wende ich meinen Blick ab. Ich weiß, weshalb ich hier hergekommen bin, und dennoch bin ich unsicher, wie ich mich verhalten soll.
Nervös sehe ich mich um. Abhilfe finde ich an einer abgelegenen Bartheke. „Neu?“, fragt mich die Bardame in schwarzem Anzug, während ich mich auf den einzigen freien Barhocker setze. Sie trägt keine Maske. Rückversichernd taste ich nach meiner. Ohne eine Antwort abzuwarten, stellt sie ein Wodkaglas vor mir ab und befüllt es bis zum Rand.
„Danke“, gebe ich kaum hörbar von mir und heiße das Hochprozentige in meinem Körper willkommen.
Das Glas wird wortlos aufgefüllt. Unsicher, ob sie meinen Gesichtsausdruck wahrnimmt, lächle ich sie an und bestelle ein Bier. Mit der Flasche in der Hand drehe ich mich von der Bar weg und lasse den Club ein weiteres Mal auf mich wirken.
Allein bei dem Gedanken, welche Möglichkeiten sich heute für mich auftun, schlägt mein Herz schneller. Ich fühle mich berauscht.
Von der verstärkten Decke hängen massive Ketten und Schaukeln, auf denen sich Frauen und Männer in den Orgasmus wiegen können.
Ich schlucke schwer und spüre, wie meine Wangen unter der Maske heiß laufen. Bin das wirklich ich, die hier steht? Ich frage mich, ob das Taxi unten auf mich wartet. Ich hatte den Fahrer für weitere zehn Minuten bezahlt. Für den Fall, dass sich meine Kollegin doch in mir täuschte und das alles nicht das Richtige für mich ist.
Vor einigen Tagen hatte sie mir von diesem besonderen Club erzählt. Zugegeben nicht ganz freiwillig. Sie lüftete ihr Geheimnis, trotz mehrmaligen Nachbohrens, erst bei einem Afterwork-Cocktail nachdem wir einen besonders kniffligen Fall gewonnen hatten. Wenn ich ehrlich bin, hatten sie den Fall gewonnen. Ich habe wie immer alles geflissentlich notiert. Getippt.
Darauf bedacht von niemand anderem gehört zu werden, schwärmte sie von der Exklusivität dieses Clubs. Von dem Angebot. Den makellosen Körpern. Dem ungehemmten Sex. Bei dem Gedanken, gleich mit wildfremden Menschen körperlich zu werden, setze ich die Bierflasche an meine Lippen und nehme einen tiefen Schluck.
„Es ist zu 100% sicher. Niemand wird dich erkennen. Ich hatte die besten Abende dort. Das ist kein normaler Swingerclub. Das ist eine völlig andere Dimension“, berichtete sie mir mit einer glühenden Röte auf den Wangen, wie ich sie jetzt mit Sicherheit ebenfalls trage.
Meine feuchten Hände gleiten zittrig an dem neuen Kleid hinunter. Das warmkalte Gefühl des Latex auf meiner Haut verstärkt alle Empfindungen. Der Druck, den das enge Kleid auf meine Haut ausübt, wirkt aphrodisierend. Zudem umschmeichelt das glänzende Material meine Kurven. Ich fühle mich attraktiv und anziehend. Meine Brustwarzen verhärten sich. Ein unkontrolliertes Keuchen gleitet über meine Lippen. Erschrocken schaue ich mich um.
Doch niemand hat es gehört. Niemand nimmt Notiz von mir. Und dennoch wird die Aufregung von Sekunde zu Sekunde größer. Was mache ich hier bloß? Wie so oft führe ich meinen Unterarm nach oben, um einen Blick auf meine Smartwatch zu werfen. Blöderweise habe ich sie abgelegt. Eine der vielen Clubregeln, die ich zuvor als verschlüsselte Mail erhalten und studiert habe. Ich kenne sie in- und auswendig:
Smartphones sowie andere Geräte zur Sprach- und Videoaufnahme sind strengstens verboten. Regel Nummer 35.
Das Nicht-Tragen oder Ablegen der zugeschickten Maske ist untersagt. Bei Zuwiderhandlung verliert man die Mitgliedskarte und wird ein Leben lang ausgeschlossen. Regel Nummer 75.
Lebenslänglich. Wenn man nur überall so hart vorginge, wie in diesem Club. Diese Regel wirkt ein wenig überzogen, wenn man mich fragt. Aber mich fragt niemand.
Kapitel 2
Ich lehne mittlerweile an einer Mauer in der Nähe des Eingangs und lasse meinen Blick über die Fläche schweifen. Auch wenn ich durchweg wachsam bin, kann ich nicht verhindern, dass die sexuelle Atmosphäre auch mich erreicht. Ich bleibe an einem Pärchen haften, dass sich gegenseitig in der 69-er Stellung verwöhnt. Sie nimmt ihn tief in ihrem Mund auf. Lässt ihn immer wieder genüsslich über ihre Lippen streifen. Sanft. Liebevoll.
Sie liegt oben. Er unten. Von ihm sehe ich nicht viel, aber was er mit seinem Mund anstellt, scheint zu gefallen. Schon nach kurzer Zeit kreist sie stärker mit ihrem Becken. Ich frage mich, ob sie zusammen hier sind. Ich schenke ihnen nicht nur meine Aufmerksamkeit, sondern auch meine Anerkennung, als beide einem Orgasmus zielsicher entgegensteuern.
Das habe ich mit meinem Ex nie hinbekommen. Er war einfach zu unkoordiniert. Sobald ich ihn mit meinem Mund berührte, ließ er sich zurückfallen und genoss einen ordentlichen Blowjob. Ich ging leer aus. Jedes verdammte Mal. Ich hasse Klischees, aber diese Arroganz haben alle Strafverteidigergemeinsam. Und ich habe eine gehörige Schwäche für sie.
Ketten klirren. Ein vertrautes Geräusch, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Ein Andreaskreuz schwebt keine 3 Meter vor mir herunter. Ich drücke mich mit dem Rücken enger gegen die schützende Wand.
Eine Frau im Ganzkörperledergewand wird vor meinen Augen daran angebracht. Freiwillig lässt sie sich mit allen vier Körperteilen anketten. Ihr Blick glüht vor Verlangen.
Zwei maskierte Männer bauen sich vor ihr auf. Soweit ich das von meiner Position aus erkenne, bringt einer der beiden Nippelklemmen an ihren freigelegten Brustwarzen an. Mit einem scharfen Luftsog kommentiert sie seine Tat. Der andere penetriert sie mit seiner Hand. Lässt seine Zunge an ihren freien Stellen kreisen.
Die schwarze Maske verhüllt einen Großteil ihres Gesichtes. Mir fällt auf, dass sich ihre von meiner deutlich unterscheidet. Ihre ist aus anschmiegsamen Leder. Die Aussparungen an Augen und Mund lassen sich variabel öffnen und auch schließen. Eine Möglichkeit, die Sinne gezielt einzusetzen.
Auch wenn ich ihre Mimik nicht genau erkenne, bin ich mir sicher, dass sie enorme Lust empfindet. Genauso wie es die beiden Männer tun.
Ihre ekstatischen Schreie geben einen Vorgeschmack auf das, was ich heute Nacht erleben kann, wenn ich es zulasse. Je länger ich mich in diesem Club aufhalte, desto gewillter bin ich, etwas Neues auszuprobieren. Die Maske, die wir anderen tragen, dient nicht nur zum Schutz unserer Privatsphäre. Es ist ein stilles Einverständnis für das, was hier getan wird: eine Einladung für ein lustvolles Erlebnis. Ein Garant für Spaß. Eine Police für freien Sex. Bei der körperlichen Hitze, die mich umgibt, wird mir heiß.
Kapitel 3
Ich hebe meine schwarzen Locken an, um Luft an meinen verschwitzten Nacken zu lassen. Ein kalter Windhauch verstärkt die willkommene Abkühlung. Dann nehme ich die Präsenz eines anderen Körpers neben mir wahr. Die Wärme, die von ihm ausstrahlt, lässt mich stärker glühen, sobald ich ihn in Augenschein nehme.
„Du bist neu.“ Die Stimme des Mannes, der sich nah neben mich gesellt, wirkt dominant. Rau. Entweder hat er viel erlebt oder raucht. Beides zieht mich auf eine Weise an, die ich von mir nicht erwartet habe. Ich drehe mich zu ihm hin und hoffe, dass meine Unsicherheit unbemerkt bleibt.
Seine Augen funkeln mich an. Dunkel. Schwarz. Eine Augenfarbe, die viele Menschen haben, doch er weiß ihre Wirkung gezielt einzusetzen. Sie ziehen mich in ihren Bann. Er hat diese bedrohliche Aura. Ich kenne Männer wie ihn. Viel zu oft sah ich sie bereits im Gerichtssaal. Er passt in das typische Profil. Ich tippe auf Drogen. Kein Dealer. Vielleicht ist er ein Clanmitglied. Ich muss seinen Körper nicht lange absuchen, um das vermeintliche Merkmal ausfindig zu machen. Eine kleine Tätowierung an seinem Handgelenk, die ich bemerke, als er sich über die Lippe fährt. Er ist ein Mafioso.
Mein Herz pocht schneller. Alles um mich herum verschwimmt. Wird unwichtig.
„Kennst du das Labyrinth?“ Der Fremde visiert mich an.
Es fällt mir schwer, einem Gespräch mit ihm zu folgen, zum einen, da ich gedanklich schon längst woanders bin und zum anderen, da die Frau sich ihrem Höhepunkt nähert.
„Das Labyrinth?“, wiederhole ich. Meine Augen springen zwischen dem Fremden und dem Andreaskreuz hin und her. Ich versuche mich zu kontrollieren und setze das geübte Pokerface, dass ich so oft im Gerichtssaal trage, auf. Doch anhand des immer breiter werdenden Lächelns meines Gegenübers fürchte ich, zu versagen.
Es ist mein erstes Mal in so einem Etablissement. Anderen beim Sex zuzusehen, war bisher nur ein Spiel meiner Fantasie. Erotikfilme geben mir nicht das reelle Gefühl, dass ich brauche, um mich fallen zu lassen. Das, was ich hier bekomme.
Ich spüre die Feuchte zwischen meinen Oberschenkeln und presse meine Beine beschämt aneinander. Dass ich solche Gefühle für einen wie ihn empfinde, erscheint mir unangemessen. Ich sollte es besser wissen.
„Wir gehen hinein. Mit Zeitverzögerung. Und dann suchen wir einander. Die Wände sind mobil. Ein wunderbarer Ort voller Möglichkeiten für“, er stockt und mustert mich. Seine Zunge gleitet kaum merklich über seine Lippen. Sanft. Einladend. Wie ein Versprechen auf den bevorstehenden Spaß.
„Ein Suchspiel“, beende ich seinen Satz. Ich kann es nicht leiden, wenn Dinge unvollendet im Raum stehen. „Katz-und Mausspiel.“ Ein Lächeln umspielt seine Lippen und setzt seine markante Kinnpartie in Szene.
„Also?“
Ich spiele auf Zeit. Ich weiß, wozu einer wie er in der Lage ist. Ich tue, als müsste ich nachdenken. Überlegen. Doch vor meinem inneren Auge stelle ich mir vor, wie er seine Hände bereits in meinen Haaren vergräbt und an ihnen zieht, während er von hinten tief in mich eindringt. Wie tief bleibt nicht lange sein Geheimnis. Der Abdruck auf seiner Hose lässt kaum Interpretationsspielraum zu.
Gebannt beobachte ich ihn, während sein Schwanz weiter anschwillt. Ich schlucke. Meine Kehle ist trocken. Er könnte gefährlich sein. War ich nicht genau deshalb hier? Wollte ich nicht genau das? Ein wenig von der dunklen Seite des Lebens kosten? Zudem ist er verdammt heiß. Nicht nur sein Körper. Seine Haare. Seine Körperhaltung. Diese Maske betont genau die richtigen Stellen seines Gesichtes. Alles an ihm schreit nach einer Sexgarantie und er ist zu mir gekommen. Zu mir, die selbst bei Grün Gefahr läuft überfahren zu werden. Zu mir, die ohne Make-Up einen Tarnumhang für ihre Mitmenschen trägt. Zu mir, die nur durch Leistung für andere sichtbar wird.
Ich bin hier hergekommen, um genau das zu erleben, was er mir bereitwillig auf einem Silbertablett serviert. Sein Lächeln wird breiter, sobald er die Gänsehaut auf meinem Körper und die spitzzulaufenden Brustwarzen bemerkt. Ich atme tief ein. Suche nach dem Mut, um die richtigen Worte zu sagen.
Gehe ich auf Konfrontation oder spiele ich die Unnahbare? Was sind die Regeln? Ist Reden gut, oder verdirbt es den Appetit? Müssen wir unsere Vorlieben ausdiskutieren? Gibt es dafür Codewörter? Mist. Die Gedanken schwirren wild in meinem Kopf herum. Und dann: Vakuum. Blackout.
Er macht es mir leichter, indem er mir ein Stück entgegenkommt und die Antwort durch seine körperliche Nähe einfordert.
Ich hauche ein „Ja“ und spüre, wie die Hitze auf meinen Wangen stärker brennt.
Er lehnt sich zurück, um mir ungehindert in die Augen zu sehen. Sein Blick durchbohrt mich.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass er bis zu meiner Seele durchdringt. Einer wie er trägt die Dunkelheit tief in seinem Herzen.
Genau das, wonach ich gesucht habe. Sein Mundwinkel zuckt amüsiert. Er streicht durch mein Haar. Nicht zu langsam, nicht zu vorsichtig. Genau nach meinem Geschmack.
Dann nimmt er meine Hand und läuft los.
Kapitel 4
„Wie lautet unser Lustwort?“ Seine Stimme hallt von den kahlen Betonwänden eines langen Flurs, der nach unten führt, wider. Die Lustschreie von Menschen, die beim Katz- und Mausspiel weitergekommen sind als wir, dringen bis zu uns vor. Gekommen. Meine Mitte zieht sich voller Vorfreude zusammen.
Ich fühle mich so feucht wie nie. Dieser Ort hat zweifelsohne eine betörende Wirkung auf mich. Oder ist es er?
Abrupt bleibt er stehen. Er dreht sich um. „Das Lustwort kleine Maus.“ Sein Blick durchbohrt mich. Er kommt mir nah. So nah, dass sich unsere Nasenspitzen jeden Moment berühren. Ich spüre seine Härte an meinem Bein. Er übt ein wenig Druck auf mich aus. Wie lange wird es dauern, bis ich ihm um den Hals falle? Ich beiße mir vor Verlangen auf die Unterlippe, als er mit seiner Hand an meinem Kleid entlang fährt.
Durch seine Berührung bekomme ich das Gefühl zu zerfließen. Er packt meinen Hals. „Sag es.“ Während ich noch überlege, wird sein Griff fester. Genauso, dass er das in mir weckt, was kein anderer bisher geschafft hatte: wahre Lust, die mir den Boden unter den Füßen wegreißt.
„Maus“, gebe ich kaum hörbar von mir. „Lauter.“ Die Dominanz seiner Stimmer jagt einen weiteren Schauer über meine Haut.
„Maus!“
„Wähle ein anderes.“
„Akte“, wispere ich. Es war das einzige Wort, das mir außer „Sex“ und „Fick, mich endlich“ einfiel. Ich erkenne mich selbst kaum wieder.
„Vergiss es nicht.“ Seine Stimme wirkt bedrohlich. Das Timbre seiner Worte gibt mir einen Vorgeschmack auf die Intensität dieses Spiels. Ich schlucke schwer. Für einen Moment drohe ich die Absicht, mit der ich hierherkam zu vergessen. Ich kam, um zu beobachten. Jetzt möchte ich fühlen.
Ich nicke. Ich will dieses Spiel unbedingt. Und ich will es richtig. Er fährt mit seinen weichen Lippen an meinem Hals entlang.
„Lauf, kleine Maus“, raunt er mir ins Ohr. „Lauf, so schnell du kannst.“
Seine Hand lockert sich.
Meine Nackenhärchen stellen sich auf. Ich blinzele ein paar Mal, um den Weg vor mir klarer sehen zu können.
„Fünf.“
Mit wild schlagendem Herzen laufe ich los. Die geliehenen High Heels hindern mich, ich streife sie ab und nehme sie in die Hände. „Vier“, höre ich seine Stimme hinter mir. Sie ist näher, als ich annahm. Ich erhöhe das Tempo. Ich komme an eine Weggabelung. Mechanisches Klicken ertönt auf der rechten Seite. Ich entscheide mich für die Linke.
„Drei.“ Seine Stimme donnert durch den Flur. Um mich herum ertönen immer mehr Lustschreie. Ich laufe an Paaren vorbei, die sich in kleinen Einbuchtungen gefunden haben. Ihre Körper verschmelzen miteinander. Obwohl es mich reizt, stehen zu bleiben und ihnen zuzusehen, laufe ich weiter. Auf ihn und seine Stimme ausgerichtet. Als hätten wir einen unsichtbaren Draht zueinander.
Ich renne weiter. In meinem Bauch kribbelt es. „Zwei.“ Seine Stimme vibriert in mir nach. Meine Nerven sind angespannt. Nicht aus Angst, sondern vor Aufregung. Ich erlebe Nervenkitzel auf eine Weise, wie ich es zuvor nie erfahren habe. Ich verlangsame das Tempo, sobald ich merke, dass ich auf eine Sackgasse zusteuere. Das mechanische Klicken ertönt ein weiteres Mal und die Wand vor mir öffnet sich. Siegessicher laufe ich auf sie zu.
Doch was ist der Sieg? Und was die Belohnung? Ich biege zweimal nach rechts ab. Schaue mich um. Hatte ich die eins überhört? Müde von meinem Sprint lehne ich mich gegen die kalte Mauerwand. Ich drehe mich zur Seite und sehe ihn vor mir stehen.
Wie hat er mich so schnell finden können?
Seine Muskeln sind zum Zerbersten gespannt. Er lässt seinen Kopf kreisen. Legt ihn schief. Ein kaltes Lachen verlässt seine Kehle.
Ein Lachen, das mir durch das Mark fährt. Ein schauriges Lachen mit Wiedererkennungswert. Eines, dass ich von einem offizielleren Ort kenne. Bei jedem Schritt, den er mir näher kommt, kämpfe ich gegen meinen Instinkt wegzurennen an. Sein Gang – zum Verwechseln ähnlich. Doch, ich täusche mich, denn der Mann vor mir ist ein anderer. Anscheinend fantasiere ich. Projiziere Bilder aus dem Gerichtssaal an diesen Ort. Ich sollte gehen. Sofort. Doch ich tue es nicht. Ich will hierbleiben. Bei ihm. Ich möchte wissen, wie das Spiel endet. Möchte erfahren, wie tief es zwischen uns gehen wird.
Kapitel 5
„Eins“, sagt er vor mir stehend. Sein Atem streift mich an der Schulter. Eiskalt. Meiner stockt. Jede Faser meines Körpers ist angespannt und bereit das Ganze auf eine neue Ebene zu bringen.
Mit einem schnellen Griff packt er mich. Presst mich an die kalte Wand. Er dreht meinen Kopf zur Seite. Saugt meinen Geruch ein. Inhaliert ihn.
„Das Wort“, presst er zwischen den Zähnen hervor. „Akte.“ Meine Stimme ist kaum ein Wimmern. „Perfekt“, raunt er. Wir wissen beide, dass es die Grenze ist. Seine und meine. Er lässt kurz locker, nur um noch fester zuzupacken. Er drückt mich so hart gegen die Wand, dass es an meiner Schmerzgrenze kratzt. Der Gedanke, dass ein einziges Wort dieses Spiel beendet, steigert meine Lust ins Unermessliche.
Ein Wort und es ist aus.
Er hat mich in seiner Hand, aber ich habe die Situation im Griff. Seine Küsse sind kaum ein Hauchen auf meiner Haut. Ich möchte ihn anfassen, über seine Tätowierung streichen, doch das lässt er nicht zu. Jeder meiner Versuche wird abgewehrt und mit einem gekonnten Handgriff quittiert.
Mit seinem Oberschenkel drängt er sich eng an mich. Verschafft sich Platz. Macht mich für sich bereit. Er streicht über meine Lippen. Erst sanft. Dann mit Nachdruck. Dringt mit seinem Finger langsam in meinen Mund ein. Lässt mich an ihm saugen. Je fester ich es tue, umso lustvoller erklingt das tiefe Stöhnen in seiner Kehle.
Ich genieße jeden einzelnen Atemzug, den er dabei nimmt. Seine Hand wandert an meinem Kleid herunter und löst den zweiläufigen Reißverschluss. Verwundert betrachtet er meine freigelegte Klit.
„Böses kleines Mäuschen“, raunt er und lässt seinen noch immer feuchten Finger in mich hineingleiten. Erst einen. Dann den zweiten. Rhythmisch bewegt er dabei seine Hand. Beim Dritten stöhne ich lauter auf.
Was ihn dazu anregt sein Becken fester an meinen Oberschenkel zu drücken.
„Mehr“, gebe ich flehend von mir.
„Mehr?“
„Mehr“, bettele ich.
Als er mich mit seinem vierten Finger ausfüllt, fühle ich mich so wie schon lange nicht mehr. Er weiß genau, was er tut. Wie er seine Finger krümmen muss. Wo er mich mit seinem Daumen zu berühren hat. Er macht all das, was mich mit so viel Lust erfüllt, dass ich Angst bekomme zu schnell über die Klippe zu springen. Nicht nur das Kleid bringt meine Erregung auf eine neue Ebene. Es ist das Adrenalin, das durch meine Adern pulsiert. Ich stöhne immer lauter. Intensiver. Bewege mein Becken zu seinem vorgegebenen Takt. Reite seine Hand.
„Noch nicht“, ermahnt er mich. Die Kälte seiner Stimme hüllt mich ein. Schlagartig zieht er seine Hand heraus und lässt eine unbekannte Leere in mir zurück.
„Dreh dich zur Wand“,befielt er und ich gehorche, augenblicklich. Ich werde alles tun, was er von mir verlangt. Alles, nur um dieses Ziehen endlich loszuwerden.
Mit einem Ruck zieht er mein Becken zu sich heran. Bringt mich in Position. In Erwartung eines Stoßes suche ich mit den Händen Halt. Ich möchte ihn unbedingt in mir spüren. Die Erinnerung an seine Finger lässt mich das Becken langsam kreisen. Meine Klit pulsiert.
Seine Hände, die mich vorher sicher umfassten, lassen los. Ich möchte sehen, was er tut. Doch er lässt mich nicht. Eine dunkle Stille umgibt uns. Je länger sie andauert, desto unsicherer werde ich. Bekomme Angst, dass meine Tarnung auffliegt. Im nächsten Moment kommt der erlösende Griff seiner Hände.
Mit einem Ruck dringt er in mich ein. Ich heiße seinen Schwanz tief in mir willkommen. Unsere Bewegungen greifen perfekt ineinander. Mit seiner freien Hand beginnt er meine harten Brustwarzen zu massieren. Vorsichtig. Langsam. Einfühlsamer als ich es von einem wie ihm annahm.
„Fester“, dränge ich. „Fester.“ Bin das ich, die spricht? Ich erkenne mich kaum wieder. Wer ist diese Frau im Latexkleid, die so ungehemmt von hinten gefickt wird wie noch nie in ihrem Leben?
Seine Stöße werden stärker. Unnachgiebiger. Härter. Unsere Körper prallen aneinander und beginnen, eine Lawine in mir auszulösen. Mein Innerstes zieht sich zusammen. Bereit zu fallen. Ich lasse mich gehen. Gebe die Kontrolle ab. Begebe mich in seine Fänge. Ich bin kurz davor zu kommen, als er innehält.
„Du hast verloren, kleine Maus.“ So ruckartig, wie er in mich eingedrungen ist, zieht er sich zurück. „Du hast dir dein Happy End nicht verdient. Sei nächstes Mal schneller, kleine Maus. Renn. Ich zähle bis fünf.“
Nach Luft schnappend, nicke ich. Ich will genau dieses Spiel. Dann laufe ich los.
„Fünf“, höre ich ihn herunterzählen. Das Echo seiner Stimme pulsiert in mir nach. Eine neue Runde beginnt.















