Der Puppenspieler
Dark Fantasy Geschichte
Die Geschichte „Der Puppenspieler“ von Grace Shadows hat am EIS Schreibwettbewerb 2025 zu den Themen Dark Romance und Romantasy teilgenommen. Wir freuen uns darauf, die Geschichte endlich mit der Community teilen zu können!
Triggerwarnung: Diese Dark Fantasy Geschichte enthält Macht- und Kontrollthematiken (inklusive magischer Fesselung), emotionale Manipulation sowie die Darstellung von Isolation und psychischer Belastung. Wenn diese Themen nichts für Dich sind, lies lieber bei einer anderen erotischen Geschichte weiter.
Kapitel 1
Novalee
Goldene Fäden zogen sich durch das Land. Menschen wanderten an ihrer Seite umher. Wenn sie einen ansprachen, erhielt man jeden Tag das gleiche Lächeln, den gleichen monotonen Monolog wie am Vortag.
Nach und nach erlitten sie alle der Kontrolle von Alaric. Manche bezeichneten ihn grob als Magier, doch das war nicht die ganze Wahrheit. Spezifischer bekannt war er als der Puppenspieler. Seine Fäden verliefen durch das ganze Königreich und schienen alles und jeden in seinem Bann zu halten.
Nur mich nicht.
Ich war davon überzeugt, dass man es irgendwie spüren musste, wenn man in der übernatürlichen Kontrolle eines anderen gefangen war. Etwas im Denken musste sich verändern, wenn einem diese Fähigkeit nicht vollständig entrissen wurde. Doch da war nichts.
Seit dem Beginn all dessen vor etwa drei Jahren hatte sich in meinem Kopf nicht viel verändert. Ich war älter geworden, doch das war alles. Mein Leben war noch genauso dunkle und traurig wie immer. Nichts, was mir diese Erkenntnis genommen hatte.
Was würde wohl noch vom Schmerz übrigbleiben, wenn man mir Wille und Verstand nahm?
Ich ging zum Marktplatz, deutete auf einige Früchte und Fisch und bezahlte den Preis, den mir der Händler gegeben hatte. Apathisch hob er die Hand und füllte meinen Einkauf in Tüten ab. Dabei sah er mich nicht ein einziges Mal an. Ich wusste nicht, wie lang ich schon keinen Augenkontakt mit einem echten Menschen mehr gehabt hatte. Es fühlte sich einsam an, in einer solchen Welt zu leben. Doch nachdem ich schon zuvor in Dunkelheit leben musste, tat es auch nicht besonders weh, mir den halbwegs sorglosen Austausch zu Menschen zu nehmen, die in meinem Leben keine tiefere Bedeutung trugen.
Anderen wurde es womöglich schwerer gemacht, wenn sie sich nicht mehr mit ihren liebsten zusammensetzen und ein normales Gespräch führen konnten, ohne den genauen Verlauf des Dialoges zu kennen. Andererseits war ich damit erneut bei meiner Frage angekommen: Konnte Willenlosigkeit einem den Schmerz nehmen? Wenn man sich nach nichts mehr sehnte, konnte man schließlich auch nicht mehr gebrochen werden. Wieder in meinem bescheidenen Eigenheim angekommen, verstaute ich das Essen in meinen Küchenschränken und verließ den Raum wieder. Ich konnte mich später um eine Mahlzeit kümmern. Im Moment hatte ich keinen Hunger. Und ehe ich mich versah, fand ich mich wieder vor meinem großen Spiegel weder. Er hatte einige Risse von Dingen, die ich als Kind dagegen geworfen hatte, doch sie störten mich nicht. Er funktionierte noch immer so, wie es für mich passte.
Ich legte die Finger an meinen Kehlkopf und öffnete den Mund. Wollte irgendetwas sagen. Wartete auf das verfremdete Vibrieren unter meinen Fingerkuppen, das mich damals als Kind immer so zum Kichern gebracht hatte, wenn ich mir beim Sprechen an den Hals gefasst hatte. Jedoch war mir seit Jahren schon kein Ton mehr entwichen. Höchstens ein Wimmern, wenn mir etwas auf die Finger fiel. Doch ansonsten war meine eigene Stimme mir mittlerweile fremder als die Menschen, mit denen ich jeden Tag die gleichen Pfade und Parkbänke teilte.
Entrüstet ließ ich meine Hand fallen. Vier Jahre allein, und noch immer kein Ton. Langsam musste ich mich doch wieder von meinem Schicksal erholen, oder etwa nicht? Wenn ich mich nur lang genug dazu zu zwingen versuchte, war meine Stimme vielleicht irgendwann wieder da. Wenn auch nur für mich.
Kapitel 2
Tage zogen ins Land. Aus Tagen wurden langsam Wochen. Und die Wochen wurden mit einkehrendem Winter immer kälter. Fast so kalt wie das gleichmäßige Pochen in meiner Brust, das mit jedem Tag in dieser traurigen Realität dumpfer wurde.
Am Morgen war ich wieder auf dem Markt und habe meine Vorräte für die nächste eintönige Woche gekauft. Mit dabei noch einige natürliche Farbpigmente. In letzter Zeit hatte ich mich immer mal wieder ans Malen gewagt. Vielleicht konnte es mir wirklich helfen, meinen Geist ein stückweit zu lockern. Ich spürte, wie ich entspannter wurde. Mein Nacken war nicht mehr so verhärtet, und meine Bauchschmerzen kamen nicht mehr ganz so häufig. Doch die Kälte blieb. Ebenso wie die Apathie meiner Mitmenschen. Beim Einkaufen hatte ich es gemerkt. Erstmals war es mir wieder gelungen, einem von ihnen in die Augen zu schauen. Und ich wusste nicht so recht, womit ich eigentlich gerechnet hatte. Doch in diesen Augen lag nichts. Kein Funkeln, kein Lebenswille, es war bloß eine tote Leere, die aus diesen Iriden schrie, die ansonsten gar nicht anders aussahen als bei anderen.
In diesem Moment hatte ich meine Entscheidung gefällt … und eine kleine Tasche gepackt. Nicht viel, nur ein paar Äpfel, etwas zum Trinken, einen Papierblock mit Kohle zum Schreiben und die letzte Arznei, die ich noch bei mir hatte. Vermutlich war sie schon lang verfallen, doch man bekam zulande keine Medizin mehr, wenn man nicht über ein großes Vermögen verfügte. Es blieb nur übrig zu hoffen, dass ich auf meiner Reise nicht erkrankte – oder, dass in diesem Fall meine verfügbaren Mittel ein wenig helfen würden.
Ich musste zum Puppenspieler.
Womöglich brachte mich dieses Vorhaben um Kopf und Kragen, doch ich musste es versuchen. Die Menschen in diesem Reich verdienten es, wieder frei zu leben. Und wenn ich die letzte Chance war, ihnen das zu ermöglichen, musste ich es wagen. Ich war scheinbar die letzte, die noch nicht seiner beharrlichen Kontrolle unterlag. Also war ich auch die Einzige, die zu ihm gehen und ihn irgendwie stoppen konnte. Vielleicht nahm er mir dann auch meinen Willen, doch dann war ich zumindest den Schmerz los, der sich auch nach vier Jahren noch wie ein langer Riss durch mein Sein zog.
Kapitel 3
Alaric
Es gab wahrlich nichts Beruhigenderes, als zu wissen, dass die Kontrolle über alles in der eigenen Hand lag. Keine Überraschungen mehr, keine unerwarteten Ereignisse. Ihre Leben und ihre Gedanken lagen voll und ganz in meiner Macht. Ihr Wille, ihr Geist, ihr Verstand, sie gehörten mir.
Mit Ausnahme von ihr.
Sie nicht.
Ich hätte auch sie kontrollieren können, doch ich stellte mich dagegen. Warum? Das wusste ich selbst nicht so recht, doch etwas an ihr faszinierte mich. Sie war seit einigen Jahren eine Waise und hatte keine Stimme mehr. Es war wohl nichts Körperliches, doch ihre Stimme wollte einfach nicht herauskommen. Egal, wie sehr sie sich dazu zu zwingen versuchte.
Selbst nach ihrem schweren Schicksalsschlag hielt sie sich mit einer Fassung und Stärke, die nicht von dieser Welt war.
Doch seit einigen Tagen konnte ich nicht mehr zu ihr durchdringen. Kein Schatten erreichte sie, keine Augen hatten sie gesehen und mir erlaubt, sie zu erblicken. Es war schwer zu beschreiben, doch man hatte mir ein Loch in die Brust geritzt. Es klaffte und schrie flehend nach Heilung. Dabei wusste ich nicht, warum.
Ich kannte dieses Mädchen nicht. Ich kannte nur ihre Geschichte, die jeder schon gehört hatte. Ihr Name war Novalee, sie war jung, aber nicht dumm. Und nicht allzu jung. In ihrem Alter konnte man gut auf eigenen Beinen überleben.
Dennoch war ihre Weise, wie sie es tat, zutiefst bewegend. „Mein Herr?“, ertönte eine Stimme. Apathisch und fern, als wäre sie meine und zugleich fremd gewesen.
Einer der Hauptwächter. Er war es, der sich immer von seinem Posten bewegen und mir berichten sollte, wenn er etwas gesehen hatte oder es etwas Wichtiges gab. „Was ist denn?“, wollte ich wissen. „Ich kann dich hier nicht gebrauchen.
Es war einer dieser Tage, an denen ich allein gelassen werden wollte. Allein mit meinen zu lauten Gedanken. „Ihr habt Besuch“, informierte er mich, drehte sich weg und ging.
Ich erstarrte. Besuch?
Es konnte nur eine Person sein, die überhaupt die Möglichkeit hatte, hier aufzutauchen.
Ich hasste Überraschungen, doch diese war womöglich die Einzige, die ich nicht missen wollte.
Kapitel 4
Novalee
Ich war da. Alaric stand vor mir und musterte mich bloß – aber nicht wie ein Raubtier, das seine Beute ausspähte, sondern viel mehr wie ein begeisterter Laie, der durch ein Kunstmuseum streifte und ein Werk fand, das ihm den Lebenssinn offenbarte.
„Du bist hier. Warum?“
Es war das erste Mal seit Jahren, dass mich eine Person tatsächlich ansprach. Nicht die üblichen generischen Worte, die ich mir sonst anhörte, sondern eine echte Frage, auf die ich eine Antwort finden musste.
Ich zog meinen Block und das Stück Kohle aus der Tasche und kritzelte die Worte drauf. Lass die Menschen frei. Er las die Worte und stieß dann ein leises Grollen aus, das fast nach einem Lachen klang. Ich konnte jedoch nicht sagen, ob er spottete. „Aber warum sollte ich das tun?“, hakte er nach, während sein Blick sich in meine Haut brannte.
Warum? Weil Menschen es verdienten, frei zu leben, zu handeln. Frei zu wünschen und zu träumen. Weil ich endlich mal wieder Menschen reden hören wollte, ohne dass ihre Worte von den goldenen Fäden dieses Mannes beeinflusst wurden.
So viel, was ich sagen wollte, hätte ich es doch bloß gekonnt. Also schrieb ich bloß ein stummes Ich bitte dich auf.
Alaric setzte sich seufzend auf eine pompöse Couch und tätschelte den Platz neben sich. Still folgte ich seinem Beispiel. „Ich möchte dir jetzt etwas erzählen. Wirst du mir zuhören?“
Ich nickte. Ins Wort fallen konnte ich ihm ohnehin nicht – und ich war nicht den ganzen Weg hergekommen, um ihn nun schon wieder ohne einen Kampf zu verlassen.
„Ich wurde in meinem Leben zu oft von Ungewissheit überrumpelt, um am Ende zu fallen. In mehreren Jahren Unsterblichkeit kannst du dir ja vorstellen, wie oft man fallen könnte.“ Er hielt inne und warf mir einen innigen Blick zu, den ich zaghaft auffing. „Das Beste daran, alles und jeden kontrollieren zu können, ist dass man von nichts und niemandem mehr überrascht werden kann.“
Ich sog seine Geschichte in mich auf, und langsam ergab sie ein wenig Sinn für mich. Natürlich, je mehr Kontrolle man besaß, desto weniger wurde man unglücklich überrascht. Merkwürdiger moralischer Kompass, doch ich verstand es. Doch eine Sache interessierte mich weiterhin. Etwas zu energisch tippte ich mir auf die Brust. In der Hoffnung, dass er die stille Frage verstand.
„Willst du wissen, warum ich ausgerechnet dich nicht unter meiner Kontrolle halte?“, fragte er mit einem leichten Grinsen auf den Lippen.
Ich nickte vehement und sehnte mich insgeheim mehr nach einer Antwort als nach Erlösung von der Kontrolle. „Weil du mich faszinierst, Novalee.“ Etwas in mir versteifte sich. Woher kannte er meinen Namen? „Du hast deine Eltern verloren. Seitdem hast du nie wieder ein Wort geredet. Dennoch trägst du dich grazil und auch stark voran. Ich konnte es nicht mit mir vereinbaren, einer wunderschönen Blume wie dir ihre Farbe zu rauben.“
Mein Hals wurde bei seinen schweren Worten ganz trocken. Er kannte nicht nur meinen Namen, sondern auch einen bedeutungsschweren Teil meiner Vergangenheit. Eigentlich durfte es mich gar nicht wundern. Er war der Herrscher unseres Reiches. Vermutlich kannte er die Geschichte eines jeden. Dass er meine vergangenen Ereignisse wie alltägliche Rituale aufzählen konnte, war also nichts Besonderes. Warum auch immer, diese Erkenntnis versetzte mir einen Stich. Er wurde allerdings schnell gelindert, als ich den Rest seiner Worte filterte. Wunderschöne Blume…
„Die Menschen in diesem Reich sind einfältig und langweilig. Selbst wenn sie ihren Willen noch besitzen. Dann sind sie bloß noch unerträglicher … und vor allem gefährlich, weil sie einen im Dunkeln dann doch überfallen können. Ihre Einfalt ist ein Deckmantel und das, was sie verbergen, könnte dich töten.“
Ich blickte ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Was hatte er nur durchgemacht? Wer hatte ihn so verletzt, dass sein Bild von Menschen bis auf den letzten Funken zerstört war?
Gerade wollte ich wieder zu meinem Notizblick greifen, da erfasste er meine Hand. Gerade so fest, dass ich es intensiv auf meiner Haut spürte, jedoch noch so locker, dass ich meine Hand auch zurückziehen konnte, wenn ich es gewollt hätte. „Bleib bei mir, Novalee“, bat er. „Lass mich dir das zeigen, was du dort draußen niemals erfahren wirst. Uns verbindet etwas, das weißt du doch auch.“
Abrupt stand ich auf. Aber nicht, weil ich seine Nähe nicht ertragen konnte oder ich weg von hier wollte. Sondern, weil er mir so nah war, dass ich nach zu langer Zeit wieder etwas spürte. Denn er hatte recht damit, dass zwischen uns etwas lag. Und selbst, wenn ich wissen wollte, was es war, fürchtete ich mich davor.
„Du wirst da draußen sterben“, rief er mir sanft zu. Ich schaute über die Schulter zu ihm und durch das große Fenster, das sich über die Wand erstreckte. Dicke Flocken fielen vom Himmel und bedeckten bereits den Boden des Reiches. Instinktiv ergriff ich den Mantel, der traurig auf meinen Schultern ruhte. Er hielt mich warm, jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Dort draußen wäre ich ganz sicher erfroren. Konnte er auch das Wetter kontrollieren? Oder war es doch Schicksal, dass ich nun nicht gehen konnte, ohne dem Tod in die Augen zu blicken?
„Sobald dieses Unwetter vorüber ist, lasse ich dich gehen“, versprach er gerade mal so laut, dass ich es vernehmen konnte. „Aber jetzt gerade könnte ich es mir niemals verzeihen, wenn dir da draußen etwas widerfahren würde, weil ich nicht genügend darum gekämpft habe, dass du bleibst.“
Ich hielt inne und seufzte unhörbar. Er meinte es ernst. Vielleicht war es doch etwas Besonderes. Auch wenn ich es mir noch nicht eingestehen konnte.
Kapitel 5
Wochen zogen ins Land. Mittlerweile lag eine dicke Schneedecke auf dem Reich, die mit jeder Sekunde wuchs. Das Wetter hatte sich nicht gebessert. Im Gegenteil. Am Anfang hatte ich noch tagein tagaus am Fenster gesessen und gewartet, bis ich endlich nach Hause gehen konnte. Doch mittlerweile bemerkte ich die Veränderungen nur noch im Vorbeigehen.
Ich war viel zu beschäftigt mit meinem vorübergehenden Leben, das ich mit Alaric im Palast führte. Er kochte für mich, obwohl er dafür kontrolliertes Personal hatte. Am Abend las er mir aus Tagebüchern vor, damit ich ihn besser verstehen konnte – und er hatte mir einen Federkiel geschenkt, damit ich besser schreiben konnte.
Es ging ihm nicht darum, Dominanz durch schöne Geschenke auszuüben, sondern um die Kommunikation auf einer Ebene. Wenn er mich ansah, war da nichts als Wärme in seinem Blick.
Und je mehr Zeit verging, desto weniger wollte ich von hier weg.
Bald jedoch kam auch der Tag, an dem es nicht mehr schneite. Die weißen Diamanten schmolzen, ebenso wie die Mauer, die ich mir in meinem Herzen errichtet hatte. Eigentlich war es mein Plan, Alaric den Spiegel vorzuhalten. Stattdessen hatte ich mir mein Herz stehlen lassen.
Wieder stand ich am Fenster, bis ich eine Hand an meiner Schulter spürte. „Es steht dir frei zu gehen.“ Alaric. Er hatte sein Wort gehalten. Und ich hatte keine einzige Sekunde daran gezweifelt. Kurz hielt er inne, bevor er fortfuhr. „Ich habe den Zauber gelöst. So, wie du es dir gewünscht hast.“
Mir klappte die Kinnlade herunter. Nach den Geschichten, die er mir erzählt hatte, hätte ich niemals vermutet, dass er meiner Anfrage nachgehen würde. Eigentlich hätte ich nicht mal erwartet, dass er sich noch dran erinnerte. Jedoch ging ich nicht, dachte nicht mal daran. Stattdessen drehte ich mich zu ihm und umfasste sein Gesicht mit den Händen. Seine Haut war warm und bebte unter meiner Berührung leicht.
„Mach es mir bitte nicht noch schwerer, als es sowieso schon ist …“, flehte er und lehnte seine Stirn gegen meine. „Bring mich nicht dazu, mein Versprechen brechen zu müssen. Denn wenn du mich noch einen Moment länger berührst, kann ich dich nicht loslassen, Novalee.“
Seine Worte entfachten ein Feuer in mir. Warum sollte ich gehen? Was hätte mich dort erwartet? Die gleiche trostlose Einöde wie auch die letzten Jahre schon … auch, wen er sie nicht mehr kontrollierte, niemand wartete auf mich. Irgendwie war der Grund, weshalb ich hergekommen war, nicht mehr das, was mein Herz verlangte. Nach wochenlangem Streit kamen mein Herz und mein Verstand nun auf einen gemeinsamen Nenner – und dieser stand direkt vor mir.
Kapitel 6
Ohne viel darüber nachzudenken, legte sich meine Lippen auf seine. Sein Atem stockte kurz, und auch mein Herz setzte einige Schläge aus, bevor es im Takt des seinem schlug. Dann funktionierte auch er wieder und schlang seine Arme um meine Taille, um mich noch näher zu ziehen, bis kein Blatt mehr zwischen uns passte. Ich wollte und brauchte mehr von ihm und diesem Feuer, was uns beide zu verschlingen drohte. „Ich werde nichts tun, was du nicht möchtest“, raunte er gegen meine Lippen, als hätte er meine Gedanken erhört.
„Ich muss wissen, ob du für mehr gewillt bist. Ansonsten höre ich auf.“
Ein kurzes Krächzen entfuhr mir, doch meine Stimme war es nicht. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn sie mich in einem solch bedeutsamen Moment wiedergefunden hätte. Also nickte ich nur.
Er lächelte und hauchte mir einen Kuss auf den Mundwinkel. „Sollte ich trotzdem etwas tun, was du nicht möchtest, dann tritt einmal fest zu.“ Ich musste schmunzeln. Das konnte er doch nicht so meinen? Doch sein Blick blieb ernst. „Das Papier und dein Federkiel liegen auf dem Nachtschränkchen, solltest du das Bedürfnis haben, mir etwas mitteilen zu wollen.“
Andere hätten so etwas vermutlich nicht romantisch gefunden, doch für mich war es alles.
Seine Hände legten sich an meine Hüften, während ein anderes Paar meine Seiten bis hoch zu meinen Brüsten wanderte. Ich erschrak und riss die Augen weit auf, doch Alaric malte beruhigende Kreise auf meine Haut und grinste etwas verschmitzt zu mir herab. „Das ist nur mein Schatten. Ich kann ihn aufhören lassen, wenn du das möchtest.“ Etwas stutzig sah ich hinter mich, und es war tatsächlich nur ein blasser Fleck aus Dunkelheit, der nun langsam die Knöpfe meines Kleides öffnete. Doch es fühlte sich wahnsinnig echt an. Und unbeschreiblich intensiv. Ich schüttelte den Kopf. Er solle nicht aufhören. Auf gar keinen Fall.
Als er meinen Zuspruch registrierte, drängte er mich behutsam zurück zum Bett, bis meine Knie nachgaben und ich auf die weichen Laken sank. In dieser Zeit hatte sein Schatten mich schon meines Kleides entledigt und seine Hände fest und entschlossen um meine Brüste gelegt. „Du bist so wunderschön, Novalee“, hauchte Alaric, als betete er mich an, bevor auch er sich langsam vor meinen Augen auszog. Doch in seinen zittrigen Bewegungen schwang ein Schimmer Ungeduld mit.
Ich kam jedoch gar nicht dazu, seine Berührungen zu vermissen, denn sein Schatten leistete eine wunderbare Arbeit. Wo seine Hände zuvor noch meinen Busen massierten, zwirbelten sie nun meine Nippel und entlockten mir ein heiseres Krächzen. Wie gern hätte ich meine Erregung mit anderen Lauten verdeutlicht als so. Doch meine Sorge verflog, als ich Alarics Blick bemerkte, der mit Zuneigung erfüllt auf mir lag.
Als er endlich kein Teil mehr an sich trug, kletterte er über mich und legte seine Lippen auf die Haut oberhalb meines Schlüsselbeines, wo er frech an einer empfindlichen Stelle nippte. Wie war es ihm nur möglich, meine Punkte so schnell zu finden? Gleichzeitig wanderten seine Hände an meinen Seiten entlang, bis sie an meine Höschen ankamen und es dringlich von meinen Hüften entfernten. Auf der Höhe meiner Knie schön ich es selbstständig von mir, sodass nun kein einziges Stück Stoff mehr zwischen uns lag wie eine scheinbar unüberbrückbare Mauer.
Langsam hatte auch ich einen Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr warten konnte, obgleich sein Schatten mich noch immer gnadenlos verwöhnte und auch seine eigenen Hände meinen nackten Körper erforschten.
Ich griff herab und umfasste seinen Schaft mit beiden Händen. Er hatte die perfekte Größe, die ich mit Sicherheit noch in den nächsten Tagen spüren würde. Ein animalistisches Grollen entwich seiner Kehle und vibrierte an meinem Schlüsselbein, als ich begann ihn zu massieren.
Jedoch konnte ich die Bewegung nicht lang beibehalten, denn schon bald wickelte sich etwas merkwürdig Kühles und Prickelndes an meine Gelenke. Verwirrt schaute ich hoch, wo meine Hände weiter bis ans Kopfende gezogen wurden. Goldene Schnüre schmiegten sich um meine Gliedmaßen. So fühlte es sich also an, von seinen Fäden kontrolliert zu werden. Wenn auch nur zaghaft und weiter so, dass ich ihn wie von ihm aufgetragen treten konnte, wenn es zu viel wurde. „Wenn du so weitermachst, werde ich keine fünf Minuten durchhalten“, knurrte er, als müsste er sich am Riemen reißen, um sich nicht sofort in mir zu versenken. „Ist das okay für dich? Oder soll ich dich wieder losmachen?“ Erneut schüttelte ich den Kopf. Auf keinen Fall losmachen, schrie alles in mir. Auch wenn ich gern die Kontrolle über alles hatte, gab ich sie nun doch gern ab.
„Okay …“ Seine Küsse wanderten hinunter, über das Tal zwischen meinen Brüsten, die noch immer von seinen Schattenhänden umfasst wurden und meinen Atem zum Beben brachten, bis er irgendwann meinen Unterleib erreichte. „Schau mich nur weiter an … ich möchte dich sehen, wenn ich dir den Boden unter den Füßen wegziehe.“
Bevor ich etwas tun konnte, hatte er begonnen an meiner Knospe zu saugen. Ein weiteres Krächzen entfuhr mir, ein rohes und fast schmerzhaftes Geräusch, was ihn nur noch weiter anfeuerte. Seine Zunge und Lippen tanzten einen gefährlichen Tango mit meinen Sinnen und Nerven. Auf meinem gesamten Körper stellte sich eine wohlig warme Gänsehaut aus. Am liebsten wollte ich die Augen schließen, doch ich ließ meinen Blick auf ihm, wie er es sich gewünscht hatte.
Als meine Beine zu Zittern begannen, hörte er jedoch auf. Ein tiefes Seufzen entfuhr mir. Wie konnte er mich nur so dermaßen foltern?
„Ich will dich spüren, wenn ich dich an die Spitze deiner Lust treibe“, flüsterte er, und ich verstand es sofort. Gewillt spreizte ich die Beine, was er mit einer federleichten Berührung seiner Fingerspitzen entgegnete. Er fuhr sanft über meine Schamlippen und trennte sie, um zuerst einen Finger in mich zu führen, dann zwei. Ich vergrub die Fingernägel in meinen Handflächen, als er mich nach und nach für seine Länge vorbereitete. Länger konnte ich mich allerdings nicht so quälen lassen. Ich musste ihn spüren. Jetzt sofort.
Kapitel 7
Ich schlang meine Beine um seine Hüften und zog ihn so hinauf, dass sein Schwanz auf der Höhe meiner pochenden Mitte lag und meinen Innenschenkel kitzelte.
„Du kannst es ja kaum noch abwarten, hm?“, neckte er mich und knabberte an meinem Ohrläppchen. So ein fieses Mondkalb!
Mir entfuhr ein Quieken. Ein jämmerlicher Klang, der meine zehrende Ungeduld unterstrich.
„Okay, du hast gewonnen.“ Ohne mich vorzuwarnen, stieß er in mich und vergrub sich bis zum Anschlag in mir. Ich stöhnte. Stöhnte. Wir beide hielten inne. Vor Überraschung stockte mir der Atem. Es war das erste Mal seit vier Jahren, dass ich den Klang meiner eigenen Stimme wieder vernahm. Es lag keine Harmonie in meiner Stimme, doch es war ein Anfang.
Auch Alaric sah überrascht zu mir hinab. Er umfasste mein Gesicht und legte seine Stirn an meine. „Das hätte ich schon viel früher gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass ich dann deine wunderschöne Stimme hören würde.“ Mit diesen Worten bewegte er sich tief in mir.
Der Klang entwischte mir immer wieder. Manchmal leise, mal wieder etwas lauter, und danach wiederum war es doch nur ein Krächzen, doch immer wieder fühlte es sich an wie ein neuer Schritt in die richtige Richtung.
Eine seiner Hände legte sich um meine noch immer gefesselten Gelenke und hielt sie dort fest, während die andere meinen Kitzler umspielte. Ich streckte mich ihm entgegen, als konnte ich ihn so noch stärker spüren. Und als er sich tief in mir ergoss und sich gleichzeitig jeder Muskel in meinem Körper anspannte, hatte ich endgültig das Gefühl zu schweben.
Der Raum wurde nur vom Kerzenlicht erhellt. Alarics Fingerspitzen wanderten über meine noch immer entblößte Seite, als wäre sie zu zart und zerbrechlich gewesen, um auch nur ein wenig mehr Druck aufzubringen.
„Du hast mich ruiniert, Novalee …“, raunte er und legte seine Lippen noch einmal sanft auf meine. „Ich glaube nicht, dass ich dich jetzt noch gehenlassen kann.“ Ich lächelte und wollte am liebsten antworten, doch ich hoffte, dass er es auch ohne Worte spüren konnte. Ich wollte gar nicht gehen. Niemals.
Hier in seinen Armen war ich das erste Mal seit Jahren wieder zuhause. Für nichts in der Welt wollte ich das hergeben.















